Diese Dokumentation beschreibt die Terrassenanlage „Ciüs” und die Felsengärten „Al Sborf” sowie das zwischen diesen beiden Orten liegende Gelände.
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Dokumentation
- 1: Anreise
- 2: Rundgang
- 2.1: Aufwärts
- 2.2: Im Abstieg
- 3: Lascial
- 4: Getreideanbau
- 5: Ciüs
- 6: Amphitheater
- 7: Sentiero
- 8: Mehlbeerbaum
- 9: Verbindung
- 10: Wanderweg
- 11: Felsabbruch
- 12: Al Sborf
- 13: Umgebung
- 13.1: Kapelle San Antonio
1 - Anreise
Der Start des Rundgangs in Lasciallo kann bequem entweder zu Fuss auf dem Wanderweg oder mit den Fahrzeug auf der Forststrasse von Cauco nach Lascial erreicht werden.
Ein Besuch ist natürlich auch im Abstieg von La Mota über Artoalla und Sisielma möglich. Weitere Informationen dazu im Teil Rundgang.
Für Velofahrer und Fussgänger: Der Höhenunterschied zwischen Cauco und Lasciallo beträgt ca. 140 m.
Für Autofahrer: Bei der Kapelle San Antonio wird ein Parkplatz zur Verfügung gestellt.
Zu beachten: Der Zugang mit Kraftfahrzeugen über die Forststrasse ist bewilligungspflichtig.
2 - Rundgang
Je nachdem ob man den Rundgang im Aufstieg von Cauco oder im Absteig von La Mota erleben möchte unterscheiden sich die beiden Startpunkte.
2.1 - Aufwärts
Der untere Startpunkt befindet sich in der Nähe der Capella San Antonio in Lacial und bietet sich für Besucher an, welche zu Fuss auf dem Wanderweg von Cauco aufsteigen oder mit dem Auto auf der Forststasse von Tal anreisen.
Falls man zu Fuss auf dem Wanderweg von Cauco unterwegs ist, biegt man beim Brunnen in Lasciallo gegen Norden vom Wanderweg ab. Den Wanderweg wird man dann ca. 200 m weiter oben wieder erreichen und kann die Wanderung wie ursprünglich geplant weiterführen - mit zusätzlichen Informationen über den historischen Getreideanbau im Calancatal.
Dem Fahrweg folgend erreicht man nach ca. 200 m die Kapelle San Antonio und anschliessend die Informationstafel, welche eine Übersicht über die Anlage zur Verfügung stellt.
Dort trifft man allenfalls auch auf jene Interessierten, welche mit dem Auto angereist sind und ihr Fahrzeug auf dem Parkplatz abgestellt haben.
Der eigentliche Rundgang beginnt direkt oberhalb der Informationstafel auf der anderen Seite der Foststrasse und führt zunächst durch Ruinenreste aufwärts zur rundum von schützenden Mauern eingefassten Anlage „Ciüs”.
2.2 - Im Abstieg
Falls man zu Fuss im Abstieg auf dem Wanderweg von La Mota / Sisielma unterwegs ist, findet man dem oberen Startpunkt auf der Höhe von ca. 1140 m ü. M. ungefähr 100 m nachdem man den Wald unterhalb von Sisielma erreicht hat.
Dort zweigt ein schmaler Fusspfad nach rechts zu den Felsengärten von „Al Sborf” ab. Die Abzweigung ist mit dem Bezeichnung T8 und einem QR-Code markiert.
3 - Lascial
Bei der Siedlung Lascial handelt es sich nicht, wie oft angenommen, um ein Monti von Cauco, sondern um eine Siedlung, die einst ganzjährig bewohnt war!
Der letzte ganzjährige Bewohner starb im Jahr 1980, und das Ararland in der Umgebung wird heute anders genutzt als in früheren Zeiten. Die Flächen, die nicht mehr intensiv landwirtschaftlich genutzt werden, sind inzwischen von Jungwald überwachsen.
Dies wird beim Vergleich der Landschaft zwischen 1932 und 2022 deutlich. Die letzten 90 Jahre haben ihre Spuren hinterlassen!
Die ältere Aufnahme wurde im Oktober 1932 von der Schweizerischen Landestopografie als terrestrische Aufnahme von einem Grat auf der gegenüberliegenden Talseite in einer Höhe von ca. 2.450 m ü. M. erstellt.
Das Bild aus dem Jahr 2022 wurde im Juli desselben Jahres von der Arbeitsgemeinschaft Val Calanca von derselben Position aus aufgenommen.
4 - Getreideanbau
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war der Getreideanbau im Calancatal von grosser Bedeutung.
Da es im Tal keine befahrbaren Wege gab, beruhte die Ernährung nahezu vollständig auf Selbstversorgung. Eine Familie benötigte im Minimum 10 bis 15 Aren Getreideanbaufläche, wollte sie pro Woche 2 bis 3 Kilogramm eigenes Brot zur Verfügung haben.
Die erforderlichen Flächen konnten nur durch Terrassierung abschüssiger Hanglagen gewonnen werden. Mit riesigem Aufwand wurden Äckerlein hergerichtet und dem steinigen Boden bescheidene Ernten abgerungen.
Durch die Terrassierung wird eine Erosion der Ackererde verhindert. Die Felswand und die Terrassenmauern speichern tagsüber Wärme, die sie nach Sonnenuntergang abgeben.
So verzögert sich die nächtliche Abkühlung.
5 - Ciüs
Wir stehen hier vor der rundum von schützenden Mauern eingefassten Anlage „Ciüs“. Diese umfasst rund 10 Aren.
Der Arbeitsaufwand für die Erstellung war enorm. Im Durchschnitt mussten pro Quadratmeter Anbaufläche 1.2 Tonnen Steine in Mauern verbaut werden, und dies ausschliesslich mit menschlicher Arbeitskraft.
Getreideanbau ist im engen Bergtal nur bei günstigen mikroklimatischen Gegebenheiten Erfolg versprechend. Innerhalb der Grenzen der Gemeinde Cauco finden wir diesbezüglich unter der Felswand über Lasciallo besonders ideale Verhältnisse vor.
6 - Amphitheater
Gegen Süden verlassen wir das Areal „Ciüs” mit den restaurierten Mauern für eine Wanderung durch weitere Teile der einstigen Terrassenlandschaft. Ackerbau gab es hier seit Ende des 19. Jahrhunderts keinen mehr. Auf nicht mehr bewirtschafteten Parzellen wuchsen schon vorher Bäume und Sträucher aus den Mauern und ab 1970 eroberte der Wald die letzten offenen Flächen. Frei laufende Ziegen und Hirsche beschleunigten den Einsturz der Trockenmauern, wodurch die Flächen für die Agrarwirtschaft fast wertlos geworden sind.
Der schmale Pfad führt durch Jungwald genau gegen Süden, östlich über einer Ruine vorbei. Das Gebäude, 1930 noch intakt, begann nach dem 2. Weltkrieg zu zerfallen, da es leer stand. Vorher als Stall genutzt war es aber Jahrhunderte früher vermutlich als „Wohnhaus” errichtet worden, zwei kleine Ställe standen daneben. Um die zerfallenen Mauern im ehemaligen Garten wuchsen schon 1970 Sträucher und kleine Bäume. Direkt anschliessend gelangen wir in eine natürliche, mit Trockenmauern ausgebaute Geländenische („Amphitheater”) von rund 20 Metern Durchmesser, eine mikroklimatisch optimale Lage für Getreideanbau. Diese Flächen sowie das ganze Areal direkt südlich der Ruine waren 1970 noch offene Wiese, erst 1985/88 wuchsen erste Holzpflanzen aus dem Gras.
7 - Sentiero
Am südlichen Ende des «Amphitheaters» steht eine rund 150-jährige Esche. Sie wuchs an einer Mauer und wurde nach Aufgabe des Getreidebaus stehen gelassen. Gutes Ackerland war extrem parzelliert, eine schöne Ackerparzelle westlich unter dem Baum mass nur gerade 48 Quadratmeter!
12 Meter südlich der Esche mündet unser Pfad in den ehemaligen Sentiero von Lasciallo nach Artoalla. Die seitlichen Mauern sind grösstenteils zerfallen, aus ihnen wuchsen die ersten Bäume. Der «Weg» markiert grob die Grenze zwischen dem früheren Ackerland (Terrassen über dem Weg bis zur Felswand) und den Mähwiesen (unterhalb).
8 - Mehlbeerbaum
Dieser sehr langsam wachsende Baum besass, wie auf der Aufnahme von 1932 zu sehen ist, schon vor mehr als 90 Jahren eine riesige Krone - sein Alter dürfte zwischen 150 u. 200 Jahren liegen. Das Holz ist ausserordentlich hart und zäh.
Über dem Weg sind schöne ehemalige Ackerterrassen zu erkennen, heute vor allem mit Hasel bestockt. Gegen Süden wird der bis um 1970 noch offene Streifen Land immer schmaler, und in der Nähe der Wegmauern stehen vermehrt ältere Birken und Eschen.
Unter dem Weg befand sich durchwegs ehemaliges Wiesland, bis um 1980 regelmässig gemäht bzw. beweidet.
An feuchten Stellen stehen vermehrt Eschen.
9 - Verbindung
Wir haben den alten, ab hier nicht mehr begehbaren Fussweg über die Mauer verlassen. Auf den hangaufwärts liegenden ehemaligen Terrassen wuchsen schon 1930 Sträucher und erste Bäume, eine regelmässige Nutzung dieser Parzelle gab es im 20. Jahrhundert nicht mehr.
10 - Wanderweg
Hier gelangen wir zur Einmündung des Pfades in den Sentiero von Cauco her südlich an Lasciallo vorbei.
Diese historische Verbindung zu den höher gelegenen Monti ist heute weiss-rot als Wanderweg markiert.
11 - Felsabbruch
Ein grösserer Felsabbruch hat hier vor langer Zeit einen grossen Teil der kleinen Äcker über dem Fussweg gegen die Felswand hinauf verschüttet; bis heute lösen sich immer wieder Felsbrocken aus der instabilen Wand. An seinem Rand wuchsen schon vor 100 Jahren die ersten Bäume.
Alte Bäume, vorwiegend Eschen und Erlen, stehen auch in der feuchten Quellmulde rund 40 Meter weiter südlich unterhalb des Fussweges. Weitere 30 Meter nach der Mulde verlassen wir den Wanderweg nach links und folgen einem schmalen Pfad zu den restaurierten Mauern „Al Sborf”.
12 - Al Sborf
Kaum irgendwo sonst wird eindrücklicher sichtbar, wie knapp der Lebensraum vor 300 und mehr Jahren im Calancatal war.
Das Areal mit den wiederhergestellten Mauern dokumentiert Getreidebau hart an der Grenze des Möglichen und die verzweifelte Anstrengung früherer Generationen, ihre Ernährung irgendwie zu sichern.
Die aus groben Steinen gefügten Mauern lehnen sich unregelmässig an grosse Felsblöcke an, deren Wärmerückstrahlung und Windschutzwirkung voll genutzt wird. Auf den kleinen Flächen hinter den Mauern und auf grossen Felsen liegt nur eine dünne, mühsam zusammengekratzte Schicht Ackererde.
Eine Steinwüste lieferte ihren kleinen Beitrag zum Überleben!
13 - Umgebung
13.1 - Kapelle San Antonio
Weitere Informationen sind hier zu finden: